„Philippe Jouaneix will Weltmeister werden“

Burbacher hat als erster beidbeinig amputierter Taekwondoka den Schwarzgurt geschafft

Juli Burbach. Philippe Jouaneix ist ein erfolgreicher Sportler: Der beidbeinig Unterschenkel-amputierte Burbacher ist bereits dreifacher Europameister im Taekwondo.

Und mit Titelambitionen sieht der 20-Jährige der Weltmeisterschaft im September bei Hamburg entgegen. In einer anderen Hinsicht sei er schon global einzigartig, erklärt der Deutsch-Franzose: Als erster beidbeinig amputierter Taekwondoka überhaupt habe er den 1. Dan, einen Schwarzgurt in der Selbstverteidigungs-Sportart, geschafft. Mit dieser Leistung hat er einen Antrag auf Aufnahme ins Guiness-Buch der Rekorde gestellt.

Für das Taekwondo benötigt Jouaneix andere Prothesen als im Alltag, denn die „normalen“ Gehhilfen würden der Belastung nicht standhalten. Die Sonderkonstruktionen aus Carbon, einem besonders festen und leichten Material, sind teuer; die Krankenkassen zahlen die Sportprothesen nicht. Im Sanitätshaus Schindler Orthopädie in Seelbach hat der erfolgreiche Sportler nicht nur Fachleute für die passgenauen Spezialanfertigungen gefunden, sondern auch Sponsoren: Ohne die Unterstützung durch Geschäftsführer Heinz-Joachim Schindler und einen Prothesen-Hersteller könnte der junge Mann seinen Leistungssport nicht finanzieren.

Schindler und seine Mitarbeiter begleiten Jouaneix seit seiner frühen Kindheit technisch. Er hat von Geburt an Missbildungen an den Beinen knieabwärts. Jouaneix’ Mutter habe 1986, als sie mit ihm und seinem Zwillingsbruder schwanger war, in Jugoslawien Urlaub gemacht, als die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl passierte. Mit den Folgen dieses Unglücks erklären die Ärzte laut Jouaneix seine Behinderung.

Der junge Mann hat mit Prothesen von Schindler bereits laufen gelernt. „Es ist schön zu sehen, wie die Kleinen zum ersten Mal auf ihren eigenen Beinen stehen“, sagt Schindler, dessen Kunden nicht selten von Kindesbeinen an zu seiner Klientel zählen. Und es macht ihm Spaß, die sportliche Laufbahn Jouaneix’ zu verfolgen, an der ja auch seine Produkte ihren Anteil haben. „Die technische Unterstützung wird mit steigendem Leistungsniveau immer wichtiger“, sagt der Orthopädietechniker-Meister. Obwohl: „Eine Dauerbaustelle war Philipp schon immer.“ Erst recht, seit das Aushängeschild des Vereins Budo-Sport Herdorf mit großem Eifer und Fleiß Selbstverteidigung betreibt.

Vor acht Jahren hat er mit Taekwondo begonnen: „Nachdem ich angeschossen wurde, habe ich mir einen Schutzhund angeschafft und wollte mich verteidigen können“, erklärt Jouaneix seine Motivation. Inzwischen hat er ein so hohes Level erreicht, dass ihn bei wichtigen Wettkämpfen ein Schindler-Mitarbeiter begleitet. Für alle Fälle: Denn so wie Nicht-Behinderte sich Beine und Füße brechen oder die Bänder dehnen können, kann auch Jouaneix’ Carbon-Fuß zu Bruch gehen. Hochmotiviert sieht Jouaneix, der in seinem bürgerlichen Leben eine Ausbildung bei der Siegener Stadtverwaltung absolviert, seiner sportlichen Zukunft entgegen: Weitere Schwarzgurte sollen folgen. Zwei Weltmeister-Titel sind in Aussicht: „Meine Chancen stehen gut. Ich führe die Ranglisten der Behinderten an.“ Auf einen Eintrag ins Guiness-Buch macht er sich Hoffnungen. Und: Wahrscheinlich werden bei den Paralmypics 2012 erstmals im Taekwondo die Besten ermittelt – auch da dürfte Jouaneix ein Wörtchen mitreden.

Weltmeister 2007

Europameister 2008

Schindler Orthopädie. Spürbar menschlich.