„Das Lächeln ist der schönste Dank“

Tsobguy Laure-Hortence (29) aus Kamerun hat in Siegen eine Bein-Prothese bekommen.

mavo Siegen. Wenn Tsobguy Laure-Hortence (29) am Samstag in den Flieger Richtung Süden steigt, nimmt sie ein Stück neuen Lebensmut mit in die Heimat. Eine der beiden Gehhilfen, mit denen sie noch vor zehn Tagen den Flieger aus Kamerun verlassen hat, lässt die junge Mutter hier. Tsobguy Laure-Hortence hat im Ambulanten Rehabilitationszentrum des Jung-Stilling-Krankenhauses ein neues Bein bekommen. Es ist aus Gießharz, Kork und Titan.

Ein normales Leben führen

Die maßgeschneiderte Prothese, sie ermöglicht ihr, in Kamerun ein normales Leben zu führen. Bald kann sie arbeiten, Geld für ihr kleines Kind verdienen. Die Geschichte, wie die sympathische Kamerunerin zu ihrem neuen Bein kam, ist eine Mischung aus Zufall und einer großen Portion Nächstenliebe.

Vor fünf Jahren verlor Tsobguy Laure-Hortence ihr Bein. Ärzte mussten es oberhalb des Oberschenkels amputieren. Eine Hautkrankheit hatte sich vom Fuß an durch das Körperteil gefressen. Für Tsobguy Laure-Hortence ein Schock. Mit nur einem Bein ist es schwer, in Kamerun Arbeit zu finden. Und ohne Arbeit ist es für die 29-Jährige nahezu unmöglich, ihr Kind zu versorgen. An eine Prothese ist in Kamerun nicht zu denken – weder aus technischer Sicht noch aus finanzieller.

Beiläufig erzählte Florence Tsagné-Assobgoum (24) einem Kommilitonen an der Siegener Uni von dem Schicksal ihrer Kusine aus Kamerun. Ihn ließ die Geschichte von Tsobguy Laure-Hortence nicht los. Der junge Student legte sie Herbert Perl vom Sozialreferat des Kirchenkreises ans Herz. Hier war er genau an der richtigen Adresse.

„Da muss doch was möglich sein“, dachte sich Perl, telefonierte mit der Siegener AOK und seinen Kollegen vom Kirchenkreis. Eine Lösung war schnell gefunden. Die Krankenkasse vermittelte Herbert Perl den Orthopädietechniker-Meister Heinz-Joachim Schindler. Der erklärte sich spontan bereit, kostenlos eine Prothese anzufertigen. Ebenso spontan sagte der Kirchenkreis zu, für die Flugkosten von Tsobguy Laure-Hortence aufzukommen.

Erste Kontakte zu Tsobguy Laure-Hortence nahm Schindler über ihre Kusine auf, forderte auf diesem Weg Fotos vom verbliebenen Beinstumpf und Arztberichte an. „Erst dachten wir, es sei möglich, anhand von Fotos eine Prothese zu bauen“, berichtet der Orthopädietechniker-Meister.

Ein Riesenerfolg

Vor zehn Tagen ist sie gelandet. Gestern probierte sie dann zum ersten Mal ihr neues Bein. Den Einsatz von Herbert Perl und Heinz-Joachim Schindler dankte die junge Kamerunerin mit einem strahlenden Lächeln. Die ersten Schritte auf dem Flur des Ambulanten Rehabilitationszentrums, für alle Beteiligten ein Riesenerfolg. Tsobguy Laure-Hortence gewöhnte sich schnell an das ganz neue Gefühl, mit nur einer Gehhilfe zu laufen. Orthopädietechniker Schindler überglücklich: „Hier sieht man doch wirklich den Nutzen unserer Arbeit. Der Aufwand hat sich von jeder Seite gelohnt.“

Heinz-Joachim Schindler und auch Brit Carlson vom Rehabilitationszentrum im Jung-Stilling-Krankenhaus sind zuversichtlich, dass Tsobguy Laure-Hortence morgen die Gehhilfe wegwerfen und ihre Familie auf dem Kameruner Flughafen in beide Arme schließen kann.

Schindler Orthopädie. Spürbar menschlich.